„Zur digitalen Mündigkeit gehört auch, dass wir zu bestimmten Services und Plattformen konsequent Nein sagen!“, appelliert Leena Simon vom Verein Digitalcourage. Die Netzphilosophin und IT-Beraterin war auf Einladung von uns und dem Software Innovation Lab Dienstagabend zu Gast in der Zukunftsmeile 2.
Vertrauen Sie Google oder Meta? Benutzen Sie deren Dienste? Während die überwältigende Mehrheit die erste Frage klar mit Nein beantwortet, bejahen den zweiten Teil dagegen die meisten. Warum nutzen wir regelmäßig Services, in die wir eigentlich kein Vertrauen haben? „Viele argumentieren, dass wir auf Plattformen wie X bleiben müssen, um ‘den Rechten’ nicht das Feld zu überlassen“, beschreibt Simon eine häufig genannte Begründung. „Das ist Quatsch, denn aufgrund der Algorithmen, deren Ziel die Maximierung von Nutzungsdauer und Interaktionen ist, stärken wir durch unsere Gegenrede diese Inhalte leider nur noch mehr.“
In dem dreistündigen Workshop führte sie durch zehn Schritte zur digitalen Mündigkeit, die zu mehr Selbstbestimmtheit im digitalen Alltag verhelfen sollen. Dazu gehörten zum Beispiel die Themen Passwortsicherheit, freie Software oder alternative soziale Netzwerke. Wichtig sind laut ihr aber auch die eigene Haltung und eine verstärkte gegenseitige Rücksichtnahme. „Das fängt damit an, dass ich im Bus darauf achte, dass meine Handy-Kamera nicht auf andere Leute gerichtet ist, die nicht wissen, ob gerade ein Foto oder Video von ihnen gemacht wird.“ Auch das ungefragte Teilen von Fotos mit anderen Menschen oder der automatische Abruf des Adressbuches von Messenger-Diensten sollte Simon zufolge kritisch hinterfragt werden. „Denn auf diese Weise erhält Meta Telefonnummern von Leuten, die diese Freigabe selbst nie erteilt hätten“, betont die Netzphilosophin.
Nach den insgesamt vier Veranstaltungen der Reihe „Digitale Souveränität – demokratische Antworten für ein freies Internet“ planen wir und das Software Innovation Lab bereits weitere Schritte. So soll noch vor der Sommerpause ein Maßnahmenpapier zur digitalen Souveränität vorgestellt werden, das auf den Erkenntnissen aus den bisherigen Terminen der Reihe basiert. Weiter ist die Gründung eines Austauschnetzwerkes für Unternehmen gemeinsam mit InnoZent OWL geplant.
Quelle: Leena Simon, https://muendigkeit.digital; Die Grafik ist KI-generiert.
Weitere Informationen dazu auf der genannten Website oder in Leena Simons Buch “Digitale Mündigkeit – Wie wir mit einer neuen Haltung die Welt retten können”.
