Maßnahmen für digitale Souveränität

Was braucht es, um digi­ta­le Sou­ve­rä­ni­tät kon­kret zu errei­chen? Gemein­sam mit dem Soft­ware Inno­va­ti­on Lab der Uni­ver­si­tät Pader­born am SICP haben wir Maß­nah­men erar­bei­tet und zusam­men­ge­tra­gen, die es aus unse­rer Sicht für die­ses Ziel braucht.

Simon Obert­hür, als Lei­ter des Inno­va­ti­ons­be­reichs Digi­tal Sove­reig­n­ty beim SICP der Uni­ver­si­tät Pader­born, begann mit einem unse­rer wich­tigs­ten The­men­be­rei­che: Alter­na­ti­ven zu Big Tech stär­ken. Dazu gehö­ren unter ande­rem die all­ge­mei­ne Durch­set­zung offe­ner Stan­dards und Inter­ope­ra­bi­li­tät: Nut­zen­de soll­ten Inhal­te her­stel­ler­un­ab­hän­gig nut­zen kön­nen. Um Alter­na­ti­ven zu stär­ken, sehen wir auch gro­ßes Poten­zi­al in der +1‑Regel – Inhal­te staat­li­cher Ein­rich­tun­gen müs­sen (min­des­tens zusätz­lich) auch auf Open-Source-Platt­for­men ver­öf­fent­licht wer­den.

Unse­re Geschäfts­füh­re­rin Kers­tin Haar­mann führ­te anschlie­ßend das The­ma Sicher­heit aus: Deutsch­land und Euro­pa müs­sen sich tech­no­lo­gisch (von den USA) unab­hän­gi­ger machen und die­ses Ziel benö­tigt die glei­che poli­ti­sche Prio­ri­tät wie die Ver­tei­di­gung. Dazu braucht es allem vor­an eine Stra­te­gie der Bun­des­re­gie­rung zur digi­ta­len Sou­ve­rä­ni­tät. Genau­so fal­len dar­un­ter (und dar­auf auf­bau­end) Maß­nah­men wie das Recht auf Ver­schlüs­se­lung und Durch­set­zung.

Auf­grund der Mono­pol­stel­lung der Big-Tech-Unter­neh­men befin­den sich sowohl deut­sche als auch euro­päi­sche Wirt­schaft zudem in einem Abhän­gig­keits­ver­hält­nis. Daher ist uns auch der Bereich der Wirt­schaft beson­ders wich­tig. Für die kri­ti­sche Infra­struk­tur for­dern wir die ver­pflich­ten­de Nut­zung sou­ve­rä­ner euro­päi­scher Lösun­gen. Außer­dem: die Prio­ri­sie­rung unab­hän­gi­ger euro­päi­scher Lösun­gen bei Invest­ments staat­li­cher Fonds. „Allein der staat­li­che Pen­si­ons­fonds der Nie­der­lan­de hat mehr als ein Drit­tel sei­nes Inves­ti­ti­ons­vo­lu­mens in Akti­en von US-Tech­kon­zer­nen ange­legt“, kri­ti­siert bei­spiels­wei­se auch Mariet­je Scha­a­ke, ehe­ma­li­ge Abge­ord­ne­te des Euro­päi­schen Par­la­ments, in einem Inter­view mit der Süd­deut­schen.

Dar­über hin­aus spielt das The­ma der digi­ta­len Sou­ve­rä­ni­tät auch im Bereich der Bil­dung und Gesell­schaft eine wich­ti­ge Rol­le. Des­halb hal­ten wir es für ent­schei­dend, digi­ta­le Kom­pe­ten­zen – beson­ders in Schu­len und ande­ren Bil­dungs­ein­rich­tun­gen – noch deut­lich stär­ker zu för­dern. Das beginnt bereits bei der ver­stärk­ten Nut­zung von Open-Source-Lösun­gen. Wer in der Schu­le nur mit Micro­soft gear­bei­tet hat, wird ten­den­zi­ell danach auch dar­auf zurück­kom­men – es feh­len die Alter­na­ti­ven. Doch nur wer Alter­na­ti­ven zu den Pro­duk­ten der gro­ßen Digi­tal­kon­zer­ne kennt, kann sich auch für die­se ent­schei­den und eine unab­hän­gi­ge und infor­mier­te Ent­schei­dung tref­fen. 

Und ganz kon­kret rich­ten wir auch For­de­run­gen an gesetz­li­che Regu­lie­run­gen. Ganz zu Beginn steht dort: Bestehen­de Geset­ze müs­sen bes­ser durch­ge­setzt wer­den. Damit mei­nen wir bei­spiels­wei­se den Digi­tal Mar­kets Act (DMA) oder Digi­tal Ser­vices Act (DSA), die kon­se­quent ange­wandt wer­den soll­ten – und zukünf­tig auch ver­schärft wer­den könn­ten. Ähn­li­ches gilt für das Kar­tell­recht. Um die Mono­pol­stel­lung der gro­ßen Digi­tal­kon­zer­ne zu zer­schla­gen, bräuch­te es bei­spiels­wei­se eine 30-Pro­zent-Markt­an­teils­ober­gren­ze in demo­kra­tie­re­le­van­ten Kate­go­rien, for­dert unter ande­rem der Exper­te Prof. Dr. Mar­tin And­ree in sei­nem Buch Big Tech muss weg. Im Kon­text dazu steht auch die For­de­rung danach, sozia­le Medi­en recht­lich als Medi­en ein­zu­ord­nen. Denn wer für sei­ne Inhal­te wirt­schaft­lich Ver­ant­wor­tung über­nimmt, muss dies auch auf inhalt­li­cher Ebe­ne tun.

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All dies ist natür­lich nur ein Anschnitt unse­rer The­men­be­rei­che und all die­se Haupt­be­rei­che umfas­sen noch wei­te­re Unter­punk­te, die zum Errei­chen einer digi­ta­len Sou­ve­rä­ni­tät erfüllt wer­den müs­sen. Zur Zeit befin­den wir uns gemein­sam mit dem SICP im Aus­tausch zu einem aus­führ­li­che­ren Paper dazu. Die­ses wer­den wir auf unse­ren Sei­ten zur Ver­fü­gung stel­len.