Am 11. Februar war der Digitalexperte und Medienwissenschaftler Prof. Martin Andree auf Einladung von uns und dem Software Innovation Lab der Universität Paderborn am Forschungs- und Innovationscampus Zukunftsmeile 2 zu Gast und sprach vor über 200 Menschen über die größten Gefahren für unsere Demokratie.
Seine Aussagen: Einen fairen Wettbewerb im digitalen Bereich? Gibt es nicht. Das freie Internet? Wurde abgeschafft. Einige wenige sogenannte Big-Tech-Konzerne – wie Google, Meta, Amazon etc. – kontrollieren den gesamten digitalen Markt und stellen damit eine der größten Gefahren für unsere Demokratie dar.
„Theoretisch existiert eine unendliche Vielfalt an Plattformen und Informationsangeboten. Praktisch jedoch erreichen nur eine Handvoll Plattformen relevante Reichweiten“, erläutert Prof. Andree. „Das Internet besteht somit nur aus zwei Dingen: den Monopolen der Plattformen und dem Friedhof alle übrigen Internetangebote, die kaum relevante Nutzerzahlen haben. Ich nenne das gerne: die Digitalokratie.“
Das Internet, welches uns eigentlich als demokratische Öffentlichkeit für Austausch, Debatte und Dialog zur Verfügung stehen sollte, sei zu einem Instrument verkommen, was Hass, Hetze, Desinformation und Polarisierung schürt – gesteuert von einigen wenigen.
„An der aktuellen Situation muss sich etwas ändern. Daher wollen wir als gemeinnützige Gesellschaft mit dem Ziel der Demokratieverteidigung für Aufklärung sorgen und gemeinsam mit Expertinnen und Experten diskutieren, wie Lösungsansätze aussehen könnten“, verdeutlicht unsere Geschäftsführerin Kerstin Haarmann.
Denn auch wenn all dies im ersten Moment unüberwindbar scheint – laut Andree wäre es geradezu leicht, das Internet zu befreien. Eine Begrenzung des zulässigen Marktanteils auch für digitale Medien oder Kommunikation über die Grenzen der einzelnen Plattformen (wie Instagram, Facebook etc.) hinaus sind nur zwei seiner Vorschläge. Im europäischen Kontext hätten dies andere Länder wie Frankreich und Spanien längst begriffen und wollten handeln – doch Deutschland trete auf die Bremse.
„Momentan verpassen wir die Fähre“, lautet das Fazit von Andree. Denn wenn die Demokratie erst mal ohne uns abgefahren ist, kommt sie nicht zurück.
Der Vortrag „Game Over, Demokratie?“ war der Auftakt der Veranstaltungsreihe „Digitale Souveränität – Demokratische Antworten für ein freies Internet“. Die nächste Veranstaltung – eine Podiumsdiskussion mit Politik, IT-Expert*innen und Wirtschaftsvertreter*innen – findet am 20. April statt. Informationen dazu werden in den kommenden Wochen auf unserer Homepage sowie auf den Seiten des SICP – Software Innovation Campus Paderborn veröffentlicht.