Gemeinsam mit dem Software Innovation Lab der Universität Paderborn am SICP hatten wir am 20. April namhafte Expertinnen und Experten zu einer branchenübergreifenden Podiumsdiskussion in die Zukunftsmeile 2 eingeladen.
Als Ausgangspunkt der Diskussion formulierte unsere Geschäftsführerin Kerstin Haarmann die entscheidende Frage: „Wie kann Deutschland seine digitale Abhängigkeit von den großen US-amerikanischen Tech-Konzernen zum Schutz unserer Wirtschaft und unserer Demokratie verringern?“
Die Dringlichkeit dieser Frage unterstrich Digitalexperte Markus Beckedahl: „Wir haben uns in der Vergangenheit zu sehr an wenige Monopolisten gebunden.“ So sei zum Beispiel die öffentliche Verwaltung laut Beckedahl zu etwa 95 % abhängig von Microsoft. „Die Gefahr eines sogenannten Kill Switch ist damit real – im Krisenfall könnten die USA deutschen Unternehmen und Behörden den Zugang zu essenziellen Software-Anwendungen, Zahlungsmitteln oder Datenspeichern verwehren.“
Dr. Thomas Köster vom Bundesvorstand der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsunion betonte, dass dringend Gegen-maßnahmen ergriffen werden müssten: „Lasst uns doch die Sachen machen, die wir schon umsetzen können.“ Der Staat könne, laut Köster, zum Beispiel die durch Lizenzkosten eingesparten Summen nutzen, um Open-Source-Alternativen zu pflegen und weiterzuentwickeln.
Julia Eisentraut, Landtagsabgeordnete der Grünen in NRW, wies darauf hin, dass es sich bei der Umstellung auf Open-Source-Software nicht allein um ein technisches Problem handelt: „Wir können von Menschen, die keine Informatik studiert haben, nicht erwarten, dass sie von heute auf morgen mit einem neuen Programm zurechtkommen. Digitale Souveränität muss eingebettet werden in ein klares Change-Management, das Menschen und Unternehmen schrittweise bei der Umstellung begleitet.“
Auch die Medien stehen zunehmend unter Druck: Klaus Schrotthofer (Herausgeber der Neuen Westfälischen) und Marc Zahlmann (Geschäftsleitung Westfalen-Blatt) berichteten von sinkenden Werbeerlösen und der wachsenden Konkurrenz durch KI-generierte Inhalte. „Gerade jetzt ist unabhängiger Journalismus extrem wichtig, da KI-Aussagen laut Studien zu 50 % falsch sind – und Sie können nie wissen, welche Hälfte die richtige ist“, erklärte Schrotthofer. „Wir reden hier nicht von einer theoretischen Bedrohung.“ Zahlmann ergänzte: „Wir alle müssen jetzt unser Verhalten ändern. Wir sind bequem geworden und müssen vor Ort aus dieser Bequemlichkeit herauskommen. Was gerade passiert ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft und das müssen wir stoppen.“
Dr. Simon Oberthür, Manager des Innovationsbereichs Digital Souvereignty im SI-Lab, moderierte die Diskussion zur regionalen IT-Wirtschaft, an der auch Elias Koutsonas, CEO der IT-Firma gravityshift aus Salzkotten, teilnahm. Dieser zeigte auf, wie Unternehmen konkret unterstützt werden können und betonte: „Die Auseinandersetzung mit digitaler Souveränität bietet die Chance, die eigene IT-Landschaft besser zu verstehen.“
Die Diskussion bestätigte die Relevanz der von cum ratione, SICP und InnoZent geplanten Gründung eines regionalen Netzwerks für Unternehmen zur Herstellung ihrer digitalen Souveränität. „Ein solches Netzwerk bietet nicht nur Hilfestellung für Unternehmen, sondern setzt auch einen klaren Impuls für die Region OWL“, fasste Michael Kemkes, Geschäftsführer von InnoZent OWL, zusammen.
Wir freuen uns, dass bereits beide Regionalzeitungen ausführlich über die Veranstaltung berichtet haben.
Westfalenblatt: „Deutschland ist längst digitale Kolonie der USA“
Neue Westfälische: „Wir sind eine digitale Kolonie“: Experte warnt vor Abhängigkeit US-Tech-Konzernen | nw.de