Die Brille stalkt, die Kirche sündigt und der Omnibus hat keine Bremse – so resümiert Digitalcourage die Verleihung der Big-Brother-Awards von letztem Freitag auf ihrer eigenen Webseite.
Insgesamt fünf Preisträger gab es am Ende des Freitagabends, der ganz im Sinne des Datenschutzes stand – oder eben auch nicht … Die fünf “Gewinner” haben ihren Big-Brother-Award bekommen, weil sie sich in besonders gravierender Weise über den Datenschutz hinweggesetzt haben.
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Public Viewing in Paderborn
Auch in Paderborn haben wir mit weiteren Interessierten die Award-Verleihung gespannt verfolgt. In gemütlicher Atmosphäre haben wir im coffee.family erst mit Kaffee, Limo und kleinen Snacks den Livestream geschaut und im Anschluss war noch ein wenig Zeit, um sich über das Gesehene/Gehörte und auch eigene Erfahrungen auszutauschen. Wir bedanken uns bei allen, die dabei waren und freuen uns schon auf die nächsten Awards!
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Folgende Organisationen, Unternehmen und Einzelpersonen erhielten eine Auszeichnung:
In der Kategorie Zivilgesellschaft hat die Evangelische Nordkirche einen Award bekommen, da die IT dort ausschließlich auf Microsoft setzt. Die Kritik von Digitalcourage: Damit gebe die Kirche sensible Daten über das religiöse und gesellschaftliche Engagement ihrer Mitglieder preis.
Als nächstes folgte eine Laudatio zu den beiden Preisträgern Apollo Optik und Fielmann. Die Optikerfirmen vertreiben verschiedene Smart-Glasses, am bekanntesten davon die Meta-Brillen, mit denen Bilder und Videos ganz unauffällig aufgenommen werden können. Die Brillen stehen schon länger stark in der Kritik, da so extrem in die Privatsphäre von Personen eindringen können, die gar nicht wissen, dass sie gerade gefilmt werden.
Der Gastlaudator und Politikwissenschaftler Ralf Bendrath richtete seine Laudatio und den zugehörigen Award an die EU und ihr geplantes EU-Gesetzesvorhaben „Digitaler. Omnibus“. Die Kritik daran: Dieses Gesetzespaket ist nicht in erster Linie eine Entlastung für Unternehmen, sondern eine Aushöhlung von Schutzmaßnahmen sei.
Den nächsten Award bekam ein Preisträger, der sich diesen schon im letzten Jahr “verdient hatte”: der Bundesminister des Innern Alexander Dobrindt. Künftig soll durch das Registermodernisierungsgesetz und das Identifikationsnummerngesetz eine zweifelsfreie Identifizierung möglich und notwendig sein. Das Gesetz sieht dabei die Steuer-Identifikationsnummer als einheitliches Identifikationsmerkmal vor. Die Kritik von Digitalcourage: Dass immer mehr Verwaltungsdienstleistungen digitalisiert und vereinfacht werden sollen, ist zu begrüßen, aber sie warnen davor, dass auf diese Weise umfassende Persönlichkeitsprofile von jedem Menschen erstellt werden können. Einige Beispiele dazu findet ihr auf der Seite von Digitalcourage.
Und last but not least: die Deutsche Telekom. Sie bekamen – ein Novum in der Big-Brother-Awards-Geschichte – einen präventiven Award. Die planen nämlich gerade eine Fusion mit der T‑Mobile US. Warum das ein Problem ist? Auch das erfahrt ihr bei Digitalcourage.
Auf der Seite bekommt ihr auch darüber hinaus noch viele weitere Einsichten zu den Awards. Außerdem könnt ihr dort auch regelmäßig für potenzielle Updates zu den Preisträgern vorbeischauen.