Ultra-Fast-Fashion

Neuste Trends zu günstigsten Preisen

Ultra-Fast-Fashion wird mit jedem Tag belieb­ter – schnel­ler, güns­ti­ger und immer ver­füg­bar. Shein, Temu, Pri­mark, … Sie ver­spre­chen die neus­ten Trends zu den güns­tigs­ten Prei­sen. Neben die­sen Gigan­ten sehen selbst Unter­neh­men wie H&M und Zara alt aus. Der geschätz­te Unter­neh­mens­wert von Shein bei­spiels­wei­se liegt bei ca. 100 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Zum Ver­gleich: H&M liegt bei unge­fähr 26,4 Mil­li­ar­den US-Dol­lar.

Shein wur­de 2008 ursprüng­lich als Braut­mo­de-Shop gegrün­det, hat sich jedoch zu einem füh­ren­den Namen im Bereich Ultra-Fast-Fashion ent­wi­ckelt. Einen beson­ders gro­ßen Sprung gab es im Jahr 2019, als der Umsatz im Pan­de­mie­jahr um 200 % anstieg. Ähn­lich wie Shein ist Temu bekannt für sei­ne schnel­le Mode und setzt auf ähn­li­che Stra­te­gien. Temu zeich­net sich durch einen ver­gleich­ba­ren Ansatz in Bezug auf Pro­dukt­an­ge­bot und Mar­ke­ting aus. (Quel­le)

Die Mar­ken set­zen auf Blitz­pro­duk­tio­nen und bie­ten täg­lich neue Kol­lek­tio­nen an, die direkt auf Trends aus den sozia­len Medi­en reagie­ren. Doch die­ser rasan­te Wan­del hat sei­nen Preis: sowohl für die Umwelt als auch für fai­re Arbeits­be­din­gun­gen. Erfah­re hier, wie Ultra-Fast-Fashion die Mode­indus­trie ver­än­dert und wel­che Aus­wir­kun­gen dies auf uns alle hat.

Warum ist das so erfolgreich?

Social-Media-Marketing

Beson­ders auf Tik­Tok wird Shein exzes­siv durch Hauls bewor­ben. Influen­cer spie­len eine immer wich­ti­ge­re Rol­le bei Kauf­ent­schei­dun­gen. Im April 2023 war #shein­haul auf Platz mit 4,8 Mil­li­ar­den Auf­ru­fen. Auf Platz 2 war Ama­zon – mit gera­de ein­mal 960 Mil­lio­nen.

Neue Trends in Echtzeit

Die Pro­duk­ti­on vom Design bis zum fer­ti­gen Pro­dukt dau­ert gera­de ein­mal zwei Wochen. Pro­du­ziert wird in klei­nen, unab­hän­gi­gen Fabri­ken, da dies eine schnel­le Bestel­lung in nied­ri­ger Pro­duk­ti­ons­zahl ermög­licht. Mit Hil­fe mfang­rei­cher Daten- und Algo­rith­mus­ana­ly­sen kön­nen Trends früh­zei­tig erkannt und schnell auf Ver­än­de­run­gen der Nach­fra­ge reagiert wer­den.

Breites Sortiment

Bei Shein und Temu kann nahe­zu alles gekauft wer­den: von Klei­dung über Kos­me­tik bis hin zu Haus­halts-gegen­stän­den. Sogar Han­dys kön­nen dort erwor­ben wer­den.

Plus Size

Vie­le (Online-)Shops, die aktu­el­le Trends füh­ren (H&M, Zara, Bersh­ka, …), bie­ten ihre Klei­dung größ­ten­teils bis höchs­tens Grö­ße XL an. Shein bie­tet dage­gen eine gro­ße Pro­dukt­pa­let­te auch für grö­ße­re Grö­ßen an und unter­hält eine umfang­rei­che Plus-Size-Kol­lek­ti­on – teil­wei­se bis Grö­ße 56.

Sales & Rabattcodes

Regel­mä­ßi­ge Rabat­te und Pop-ups beim Besuch der Web­sei­te locken die Kund*innen an. Teil­wei­se kön­nen sie durch Codes – oft ver­teilt über Social Media – gan­ze Ein­käu­fe oder zumin­dest ein­zel­ne Pro­duk­te umsonst bekom­men.

Whataboutism

What­a­bou­tism bezeich­net eine Form der argu­men­ta­ti­ven Mani­pu­la­ti­on, durch die von unlieb­sa­mer Kri­tik abge­lenkt wer­den soll, indem auf ähn­li­che […] Miss­stän­de […] hin­ge­wie­sen wird.
Bei der Kri­tik an Ultra-Fast-Fashion-Unter­neh­men sind klas­si­sche Argu­men­te: “Aber Unter­neh­men xy ist doch genau­so schlimm.” und “Dann darf man ja gar nichts mehr kau­fen.” Basie­rend auf angeb­li­cher Alter­na­tiv­lo­sig­keit wird so das eige­ne Kon­sum­ver­hal­ten gerecht­fer­tigt.

Was macht es so gefährlich?

Dark Pattern – Schon mal auf diese Tricks reingefallen?

Was sind Dark Pat­tern? Hier­un­ter ver­steht man Designs und Benut­zer­ober­flä­chen, die so gestal­tet sind, dass die Käufer*innen zu Ent­schei­dun­gen ver­lei­tet wer­den, die sie sonst nicht getrof­fen hät­ten. Auf die­se Wei­se wer­den Kund*innen mani­pu­liert, eine bestimm­te Kauf­ent­schei­dung zu tref­fen. Die­se Dark Pat­tern kön­nen auf unter­schied­li­che Wei­se auf­tre­ten und von den Platt­for­men genutzt wer­den. Hier möch­ten wir euch eini­ge Bei­spie­le vor­stel­len, damit ihr nicht auf die­se Tricks her­ein­fallt.

Gamification

Ein Dark Pat­tern, was gern von Platt­for­men genutzt wird, ist die soge­nann­te Gami­fi­ca­ti­on von Inhal­ten. Das Wort setzt sich zusam­men aus dem eng­li­schen Wort Game (übers. Spiel) und der Endung -fica­ti­on (übers. so viel wie etwas zu etwas machen). Eine direk­te Über­set­zung ist schwie­rig, es bedeu­tet im über­tra­ge­nen Sin­ne, etwas zu einem Spiel zu machen bzw. spie­le­ri­sche Ele­men­te ein­zu­bau­en.

Der Klas­si­ker hier ist das Glücks­rad. Sobald man auf Sei­ten wie Shein, Temu und Co. kommt, erschei­nen erst ein­mal ver­schie­de­ne Pop-up-Fens­ter, die unglaub­li­che Rabatt­mög­lich­kei­ten anzei­gen. Wäh­rend es in ande­ren Shops zu beson­de­ren Akti­ons­zei­ten (Black Fri­day etc.) mal ein paar Pro­zen­te gibt, wer­den einem hier teil­wei­se Rabat­te von oft­mals 70, 80, 90 Pro­zent ver­spro­chen. Das Glücks­rad ver­mit­telt den Kau­fen­den, dass sie “Glück gehabt” hät­ten – das ist natür­lich nicht so, denn die­ses “Glück” ist bereits vor­ab ein­ge­stellt. Und wenn es schon so gro­ße Rabat­te gibt, dann schau­en vie­le auch ger­ne noch wei­ter im Shop.

Einen wei­te­ren Mecha­nis­mus, den Sei­ten wie Shein nut­zen, sind täg­li­che Check-ins, die mit Punk­ten, Cou­pons oder ande­ren Beloh­nun­gen bedacht wer­den. Für die­se Optio­nen muss man zudem meist ein­ge­loggt sein und ein Kon­to auf der Sei­te besit­zen. Wenn die User*innen also tag­täg­lich in die App schau­en – und damit natür­lich min­des­tens ein­mal pro Tag all die­sen Beloh­nungs­sys­te­men aus­ge­setzt sind –, bekom­men sie wei­te­re Rabat­te.

Ähn­lich funk­tio­nie­ren auch die Mini-Games. Ein Bei­spiel hier­für ist das Spiel Pup­py Keep der Shein-App. Shein selbst beschreibt das Spiel als “fun and rewar­ding game whe­re play­ers adopt a vir­tu­al pet dog and upgrade its level by com­ple­ting spe­ci­fic tasks and fee­ding it.” Die Spieler*innen bekom­men also Beloh­nun­gen dafür, dass sie bestimm­te Auf­ga­ben erfül­len. Unter dem Punkt “How to Play” steht dann, dass die­se dar­in bestehen kön­nen, den Wel­pen zu füt­tern, Spie­le zu spie­len oder das Spiel mit Freund*innen zu tei­len. Wenn man dann auf die­ser Sei­te wei­ter run­ter scrollt, ent­deckt man unter “Pup­py Food Not Recei­ved” noch eine wei­te­re Auf­ga­be, mit deren Erfül­lung man anschei­nend Fut­ter für den vir­tu­el­len Wel­pen erhält: “To earn rewards, ensu­re that you place your orders befo­re ente­ring the game.” Um Fut­ter für ihr vir­tu­el­les Haus­tier zu bekom­men, wer­den die Spieler*innen also dazu ange­hal­ten, Bestel­lun­gen bei Shein zu täti­gen.

All dies zielt dar­auf ab, die Nutzer*innen so lan­ge wie mög­lich auf der Platt­form zu hal­ten bzw. täg­lich dar­auf zurück­zu­ho­len – und sie so zum Kauf der ange­bo­te­nen Pro­duk­te zu ver­lei­ten.

FOMO – Fear Of Missing Out

Eine wei­te­re Maß­nah­me, Kund*innen zum Kauf zu ani­mie­ren, ist es, einen künst­li­chen Kauf­druck zu erzeu­gen. Die Online-Platt­for­men der Ultra-Fast-Fashion-Unter­neh­men set­zen hier auf die FOMO der Men­schen. FOMO ist eine eng­li­sche Abkür­zung, die für Fear Of Miss­ing Out steht. Über­setzt heißt es: die Angst, etwas zu ver­pas­sen.

Nur noch 4 ver­füg­bar! So etwas in der Art hat sicher­lich jede*r schon ein­mal auf einer Web­sei­te gele­sen – Ama­zon macht das bei­spiels­wei­se beson­ders ger­ne. Die­se Count­downs “erwe­cken (wahr­heits­ge­mäß oder fälsch­li­cher­wei­se) den Ein­druck, eine Ware bzw. Dienst­leis­tung ist nur noch für eine bestimm­te Zeit ver­füg­bar.” Das übt Druck auf die Nut­zen­den aus und ver­mit­telt das Gefühl von: Wenn du das jetzt nicht (schnell!) kaufst, ver­passt du die­ses ein­ma­li­ge Ange­bot! Ob das Pro­dukt tat­säch­lich bald aus­ver­kauft ist, ist oft­mals aber schwer nach­voll­zieh­bar und intrans­pa­rent.

Eine ähn­li­che Stra­te­gie, die qua­si in die ande­re Rich­tung funk­tio­niert, ist der Social Pro­of: Die­ses Dark Pat­tern “setzt auf sozia­le Bewährt­heit. Posi­ti­ve Pro­dukt­be­wer­tun­gen oder Akti­vi­täts­mel­dun­gen ande­rer Nutzer:innen wer­den direkt ein­ge­blen­det.” Bei so ziem­lich jedem Pro­dukt von Shein, Temu und Ama­zon fin­det man Bewer­tun­gen – teils authen­tisch, teils frag­wür­dig – und zusätz­lich auch die Infor­ma­ti­on, wie vie­le ande­re Nutzer*innen die­ses Pro­dukt schon gekauft haben. Auch hier soll ein Gefühl ver­mit­telt wer­den: Ich ver­pas­se etwas, wenn ich das jetzt nicht kau­fe – schließ­lich haben es 700.000 ande­re auch bereits gekauft! Gleich­zei­tig schreibt dies dem Pro­dukt auto­ma­tisch eine gewis­se Wer­tig­keit oder Sinn­haf­tig­keit zu.

Endless Scrolling

Tik­Tok, Insta­gram, Face­book, … Die gro­ßen Social-Media-Platt­for­men machen es vor: Eine Sei­te mit Vide­os, die man nicht mehr aktua­li­sie­ren muss, denn sie lädt immer wie­der und end­los neue Clips. Die­se Tak­tik ver­wen­den auch mitt­ler­wei­le vie­le Online-Shop – beson­ders im App-Bereich. Das Gehirn bekommt kein Stop-Signal mehr, es gibt kei­nen kla­ren Cut. Auch FOMO spielt hier eine wich­ti­ge Rol­le: Es könn­te ja sein, dass als nächs­tes noch ein besseres/günstigeres Pro­dukt kom­men könn­te. Inter­es­sant ist in die­sem Kon­text: Unvor­her­seh­ba­re Beloh­nun­gen hal­ten einen eher beim Scrol­len. Wenn man also “ein­fach mal so durch­scrollt” und zwi­schen­durch kommt immer mal wie­der ein Arti­kel, den man beson­ders gut fin­det oder der außer­ge­wöhn­lich güns­tig ist, hält das Per­so­nen durch­schnitt­lich län­ger auf der Sei­te.

 

Die größten Vorwürfe

Über die Lie­fer­ket­te und die herr­schen­den Arbeits­be­din­gun­gen ist sowohl bei Shein als auch bei Temu fast nichts bekannt.

Sheins eige­ne Erklä­rung zur Trans­pa­renz fällt ziem­lich flos­kel­haft aus: Wir zah­len fai­re Löh­ne, Über­stun­den und gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne Leis­tun­gen in Über­ein­stim­mung mit den gel­ten­den Geset­zen der Län­der, in denen wir tätig sind, und erwar­ten von unse­ren Lie­fe­ran­ten und Anbie­tern, dass sie das­sel­be tun.

Gene­rell wider­spre­chen sich oft­mals unab­hän­gi­ge und die von Shein selbst ange­setz­ten Unter­su­chun­gen zu Miss­stän­den in der Lie­fer­ket­te. Die unab­hän­gi­ge Schwei­zer Orga­ni­sa­ti­on Public Eye hat­te bereits 2021 einen Bericht ver­öf­fent­licht, in wel­chem sie die schlech­ten Bedin­gun­gen auf­deck­ten: ver­sperr­te Sicher­heits­we­ge, 75-Stun­den-Woche und pro Monat gibt es nur einen ein­zi­gen frei­en Tag.

Shein gab beim bri­ti­schen Nach­rich­ten­dienst BBC an, dass sie “hart dar­an arbei­ten”, die in dem Public Eye-Bericht ange­spro­che­nen Ange­le­gen­hei­ten zu klä­ren, und dass sie “erheb­li­che Fort­schrit­te bei der Ver­bes­se­rung der Bedin­gun­gen” gemacht hät­ten.

In einem im Mai ver­öf­fent­lich­ten Bericht über­prüf­te Public Eye die Anschul­di­gun­gen gegen Shein erneut und hält fest: “[…] Inter­view­te gaben an, dass sie durch­schnitt­lich 12 Stun­den am Tag arbei­te­ten – Mit­tags- und Abend­pau­sen nicht ein­ge­rech­net – und das an min­des­tens sechs, meist sie­ben Tagen in der Woche. Ein Unter­neh­men war offi­zi­ell nachts geschlos­sen, aber auch erst ab 23 Uhr. […] Die 75-Stun­den-Wochen, die wir vor zwei Jah­ren fest­ge­stellt haben, schei­nen bei Shein nach wie vor die Norm zu sein.” (aus dem Eng­li­schen über­setzt).

Shein reagier­te auch auf die­sen Bericht. Was Shein selbst ver­kün­det klingt meist sehr posi­tiv und gut, doch die ver­gan­ge­nen Berich­te unab­hän­gi­ger Orga­ni­sa­tio­nen haben bis­her oft eine ande­re Wahr­heit auf­ge­zeigt.

Die Mode­indus­trie gehört welt­weit zu den größ­ten Ver­ur­sa­chern von Umwelt­ver­schmut­zung und Treib­haus­gas­emis­sio­nen. Sie trägt mit etwa 10 % zu den glo­ba­len CO₂-Emis­sio­nen bei und ist maß­geb­lich für einen erheb­li­chen Anteil der Was­ser­ver­schmut­zung ver­ant­wort­lich. Beson­ders kri­tisch ist dabei, dass 80 % der nega­ti­ven öko­lo­gi­schen und sozia­len Aus­wir­kun­gen ent­lang der Lie­fer­ket­ten auf­tre­ten – vor allem in den Län­dern des glo­ba­len Südens.

Das Geschäfts­mo­dell von Ultra-Fast-Fashion-Kon­zer­nen, das auf extrem kur­ze Pro­duk­ti­ons­zy­klen und Mas­sen­kon­sum aus­ge­legt ist, ist dabei beson­ders besorg­nis­er­re­gend und hat dra­ma­ti­sche Fol­gen:

  1. Gewäs­ser­ver­schmut­zung: Die Pro­duk­ti­on von Tex­ti­li­en, ins­be­son­de­re das Fär­ben und Behan­deln von Stof­fen, führt zur Ver­schmut­zung von Flüs­sen und Seen in den Pro­duk­ti­ons­län­dern. Che­mi­ka­li­en gelan­gen unge­fil­tert in die Gewäs­ser, was das loka­le Öko­sys­tem schwer schä­digt.

  2. Tex­til­müll und Abfall­ver­schif­fung: Ein Groß­teil der unge­nutz­ten oder nicht ver­kauf­ten Klei­dung wird als Abfall in Län­der des glo­ba­len Südens, ins­be­son­de­re nach Afri­ka, ver­schifft. Dort lan­det der Tex­til­müll auf Depo­nien oder wird unsach­ge­mäß ent­sorgt, was die Umwelt zusätz­lich belas­tet und loka­le Gemein­den in ihrer Lebens­qua­li­tät ein­schränkt.

  3. Plas­tik­müll und syn­the­ti­sche Fasern: Ein erheb­li­cher Anteil der Fast-Fashion-Tex­ti­li­en besteht aus syn­the­ti­schen Faser­ge­mi­schen, die Plas­tik ent­hal­ten. Die­se Fasern sind nicht bio­lo­gisch abbau­bar und ver­schmut­zen die Umwelt dau­er­haft. Mikro­plas­tik­par­ti­kel aus Klei­dung gelan­gen in die Mee­re, was sowohl Mee­res­le­be­we­sen als auch die mensch­li­che Nah­rungs­ket­te beein­träch­tigt.

Ultra-Fast-Fashion zeigt ein­drück­lich, wie Kon­sum­ver­hal­ten in den Indus­trie­län­dern glo­ba­le öko­lo­gi­sche und sozia­le Pro­ble­me ver­stärkt.

Stu­die Green­peace
Hier wur­den 42 Pro­duk­te über die Shein-Web­site gekauft und fünf Arti­kel aus einem Pop-Up-Store im Hin­blick auf das Vor­han­den­sein von Che­mi­ka­li­en. Von den 47 Pro­duk­ten ent­hal­ten sie­ben Pro­duk­te gefähr­li­che Che­mi­ka­li­en (z. B. Form­alde­hyd und Nickel), die sich ober­halb der gesetz­lich erlaub­ten EU-Grenz­wer­te (15 %) bewe­gen. Im Ver­gleich mit dem Oeko Tex Stan­dard 100 ergab dies sogar 13 Tex­ti­li­en mit auf­fäl­li­gen Wer­ten. 96 % ent­hal­ten min­des­tens eine gefähr­li­che Che­mi­ka­lie (wenn auch in meist nied­ri­ge­ren Kon­zen­tra­tio­nen).

Stu­die Öko­test
Hier wur­den 21 Shein-Klei­dungs­stü­cke getes­tet, von denen acht die Gren­ze über­stie­gen. Die bes­te Gesamt­no­te, mit der eines der Klei­dungs­stü­cke bewer­tet wur­de war bei die­sem Test „Aus­rei­chend“. Beson­ders belas­tet sind die Damen San­da­len (Blei und Cad­mi­um) und das Klein­kin­der-Kleid (Anti­mon). Die San­da­len hiel­ten dar­über hin­aus auch nur ein paar tau­send Schrit­te, bevor die Soh­le abging.

“Green­wa­shing” meint, dass Unter­neh­men bei­spiels­wei­se ihre Pro­duk­te als nach­hal­tig bewer­ben, ohne dies tat­säch­lich zu bele­gen. Statt­des­sen ver­su­chen sie deren Nach­hal­tig­keit mit vagen und all­ge­mei­nen Aus­sa­gen zu begrün­den, um so die Verbraucher*innen zu täu­schen. Shein bie­tet dafür gute Bei­spie­le.

Auf der einen Sei­te geben sie sich bewusst nach­hal­tig. Doch gleich­zei­tig hat die Ver­brau­cher­zen­tra­le das Unter­neh­men abge­mahnt – und das unter ande­rem wegen Green­wa­shings. Bei dem Unter­neh­men wird damit gewor­ben, dass Bestel­lun­gen im Paket­shop abge­holt wer­den könn­ten und somit ein wert­vol­ler Bei­trag zum Umwelt­schutz geleis­tet wer­den könn­te, doch Shein lässt wäh­rend­des­sen bil­lig in Chi­na pro­du­zie­ren und ver­sen­det sei­ne Waren größ­ten­teils per Flug­zeug. (Quel­le)

Vie­les, was der Kon­zern in Rich­tung Nach­hal­tig­keit sagt und angeb­lich machen will, klingt oft­mals gut – wie z. B. ihre Rei­he evo­luSHEIN, die stär­ker auf Nach­hal­tig­keit set­zen soll. Die Mate­ria­li­en sol­len “den Pla­ne­ten weni­ger belas­ten” und jedes Klei­dungs­stück soll aus “ver­ant­wor­tungs­voll beschaff­ten Mate­ria­li­en her­ge­stellt” sein. Die Klei­dung besteht aus recy­cel­tem Poly­es­ter (Quel­le)

Das klingt zwar erst mal gut, weil kei­ne neu­en Poly­es­ter­fa­sern genutzt wer­den, doch die ver­wen­de­ten PET-Fla­schen befin­den sich eigent­lich bereits in einem geschlos­se­nem Kreis­lauf, in dem sie recy­celt wer­den. Noch inter­es­san­ter ist die Kol­lek­ti­on “WB Earth Day”. Der Slo­gan davon “Inspi­riert von der Natur”. Die Far­ben sind in Erd­tö­nen gehal­ten (zumin­dest das Wer­be­ban­ner), aber ansons­ten erfährt man nicht viel über die ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en. Die Ein­kaufs­ta­sche, die direkt zu Beginn ange­zeigt wird, besteht z. B. ein­fach nur aus 100 % Poly­es­ter.

Vie­le Umset­zungs­ideen klin­gen zwar erst mal sehr gut, aber die tat­säch­li­che Umset­zung ist nicht trans­pa­rent gestal­tet.

Ein gro­ßes The­ma ist auch das The­ma Zoll. Die der­zei­ti­ge Zoll­frei­gren­ze von 150 € könn­te ihren Anteil dar­an haben, dass die Online­händ­ler ihre Lie­fe­run­gen stü­ckeln, um unter die­ser Gren­ze zu blei­ben. Nach den der­zei­ti­gen EU-Bestim­mun­gen müs­sen Pake­te, die online aus einem Nicht-EU-Land gekauft wer­den, nicht ver­zollt wer­den, wenn ihr Wert unter die­sem Betrag liegt. Bei ca. 65 % der Pake­te besteht außer­dem die Ver­mu­tung, dass der Paket­wert absicht­lich zu nied­rig dekla­riert wur­de. Shein und Temu selbst mein­ten, dass sie die Lie­fe­run­gen weder auf­tei­len noch zu nied­rig aus­wei­sen wür­den. Dazu kommt, dass die Zollbeamt*innen die schier unauf­hör­li­che Flut an Pake­ten nicht bewäl­ti­gen kön­nen. Laut der EU-Kom­mis­si­on erreich­ten 2023 rund zwei Mil­li­ar­den Pake­te mit einem Waren­wert von je unter 150 € Euro­pa aus Dritt­staa­ten – ca. 400.000 Pro­duk­te von Temu und Shein tref­fen allein auf dem deut­schen Markt ein. (Quel­le 1) (Quel­le 2)

Zur Zeit plant das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um des­we­gen, stren­ge­re Regeln durch­zu­set­zen. Das sieht der Akti­ons­plan E‑Commerce vor, über den bis­her aller­dings noch kei­ne Details bekannt sind. Ziel soll auf jeden Fall sein, dass bestehen­de Rechts­vor­schrif­ten gegen­über Händler*innen aus Dritt­län­dern genau­so hart durch­ge­setzt wer­den wie gegen­über den euro­päi­schen. Auf euro­päi­scher Ebe­ne wird auch dis­ku­tiert, die 150-€-Freigrenze abzu­schaf­fen. (Quel­le 3)

Hier wird noch in Kür­ze Inhalt fol­gen.

UFF – Der Ultra-Fast-Fashion-Blog

Ein Pro­jekt von cum ratio­ne und der Rome­ro Initia­ti­ve

Wäh­rend du die­sen Satz liest, gehen auf Ultra-Fast-Fashion-Platt­for­men wie Shein bereits neue Klei­dungs­stü­cke online. Wäh­rend Kon­sum­zy­klen immer kür­zer wer­den, wach­sen im Hin­ter­grund die Müll­ber­ge, wer­den Res­sour­cen aus­ge­beu­tet und Arbeiter*innen unter pre­kä­ren Bedin­gun­gen beschäf­tigt. Vie­les davon bleibt unsicht­bar – ver­drängt hin­ter güns­ti­gen Prei­sen und schnel­len Trends.

Die­sen Wider­spruch will der Blog sicht­bar machen – durch Auf­klä­rung, Fra­gen, Recher­chen und per­sön­li­che Per­spek­ti­ven rund um Ultra-Fast-Fashion und die struk­tu­rel­len Miss­stän­de in der Beklei­dungs­in­dus­trie.

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