Kirche & Staat

Trennung von Kirche und Staat

Wäh­rend 1960 noch nahe­zu jede*r Einwohner*in Mit­glied der evan­ge­li­schen oder katho­li­schen Kir­che war, waren es 2019 für bei­de Kir­chen zusam­men nur noch knapp über 50 Pro­zent. Ende 2024 gehö­ren nur noch etwa 37,8 Mil­lio­nen Men­schen einer der bei­den Kir­chen an – also ca. 45 % der Bevöl­ke­rung (knapp 84 Mil­lio­nen, Stand Anfang 2024). Pro­gno­sen zufol­ge sol­len schon im Jahr 2032 mehr Men­schen ohne als mit ein­ge­tra­ge­ner Kon­fes­si­on in Deutsch­land leben (Quel­le).

Neben Bestim­mun­gen basie­rend auf der Reli­gi­ons­frei­heit spie­len also immer mehr Denk­wei­sen eine Rol­le, die das Recht jeder und jedes Ein­zel­nen auf die Frei­heit von Reli­gi­on betref­fen. Dies soll­te in einem Land gewähr­leis­tet wer­den, in wel­chem Kir­che und Staat klar von­ein­an­der getrennt sind und Reli­gi­on folg­lich Pri­vat­sa­che ist. Aktu­ell ist das in Deutsch­land jedoch kei­nes­wegs der Fall. So zieht der Staat auch wei­ter­hin die Kir­chen­steu­er ein, räumt den Kir­chen mehr als frag­wür­di­ge Son­der­rech­te beim The­ma Arbeit ein und erlaubt der katho­li­schen Kir­che, den auf­ge­deck­ten sys­te­ma­ti­schen Miss­brauchs­skan­dal selbst intern auf­zu­klä­ren.

Das sind nur Bei­spie­le in einer Rei­he von Vor­fäl­len und gesetz­li­chen Rege­lun­gen, die in einem säku­la­ren Staat nicht mög­lich sein soll­ten. Aus die­sem Grund setzt sich cum ratio­ne beim huma­nis­ti­schen Pres­se­dienst sowie als Mit­glied im Zen­tral­rat für Kon­fes­si­ons-freie ein. Als Gesell­schaft unter­stüt­zen wir dabei die Wer­te des Huma­nis­mus, der u. a. die Ver­wirk­li­chung der uni­ver­sa­len Men­schen­rech­te als Ziel ver­folgt.

Demo in Lippstadt August 2025

Über den Kör­per der Frau ent­schei­det sie selbst. Dafür waren wir heu­te in Lipp­stadt auf der Stra­ße.

Seit das Kli­ni­kum Lipp­stadt einen katho­li­schen Trä­ger hat, dür­fen dort kei­ne Schwan­ger­schafts­ab­brü­che mehr durch­ge­führt wer­den. Das ist mit unse­rem Grund­ge­setz nicht ver­ein­bar. Prof. Dr. Volz hat dage­gen geklagt – gemein­sam sind alle Demons­trie­ren­den mit ihm von der Kli­nik zum Land­ge­richt gezo­gen.

Veranstaltungsreihe zum Thema Islam – 2018

Grund­sätz­li­ches Ziel der Rei­he

„Wir wol­len eine sach­li­che Debat­te in Pader­born ent­fa­chen“, erläu­tert unse­re Geschäfts­füh­re­rin Kers­tin Haar­mann die Moti­va­ti­on der Gesell­schaft. „Wir tole­rie­ren weder die feh­len­de Islam­kri­tik vie­ler libe­ra­ler Par­tei­en noch wol­len wir, dass Ras­sis­ten die­sen Spiel­raum für einen gene­rel­len Angriff auf den Islam nut­zen.“

Die ers­te Ver­an­stal­tung der geplan­ten Rei­he star­te­te mit dem Titel „Kein Schritt zurück – Mehr Frei­heit für Frau­en und Mäd­chen im Islam“ und ver­folg­te das Ziel, für das The­ma Geschlech­ter­dis­kri­mi­nie­rung zu sen­si­bi­li­sie­ren und über deren reli­giö­se und patri­ar­cha­li­sche Ursa­chen auf­zu­klä­ren. Es erwar­te­te die Gäs­te eine Lesung der aus der Tür­kei stam­men­den Publi­zis­tin Arzu Toker, die Pas­sa­gen aus ihrem Buch „Kein Schritt zurück“ vor­trug. In einer Podi­ums­run­de mit loka­len Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern aus den Berei­chen Inte­gra­ti­on und Bil­dung wur­de anschlie­ßend die Situa­ti­on in Pader­born beleuch­tet. Hier stand vor allem die For­de­rung nach einer strik­ten Tren­nung von Kir­che und Staat im Fokus, die von der Mehr­heit der Anwe­sen­den unter­stützt wur­de.

Arzu Toker ist es wich­tig zu beto­nen, dass die feh­len­de Frei­heit in isla­mi­schen Gesell­schaf­ten auch auf Män­ner nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen besitzt. „Män­ner, die glau­ben durch die Macht über Frau­en mehr Rech­te zu haben, sind im Grun­de genom­men eben­falls Ver­lie­rer. Sie ver­lie­ren den Men­schen, der mit ihnen alt wird. Sie ver­lie­ren die Frau, die ihre Lebens­be­glei­te­rin, Freun­din und Ver­trau­te sein könn­te und die Lie­be ihrer Kin­der. Am Ende ver­lie­ren sie schließ­lich ihre eige­ne Huma­ni­tät“, bemerkt Toker.

Beim zwei­ten Teil der Ver­an­stal­tungs­rei­he war der lang­jäh­ri­ge ARD-Kor­re­spon­dent in Alge­ri­en, Autor und Fil­me­ma­cher Samu­el Schirm­beck für eine Lesung mit anschlie­ßen­der Dis­kus­si­on bei uns zu Gast. Über 50 inter­es­sier­te Besu­che­rin­nen und Besu­cher folg­ten der Ein­la­dung und prä­sen­tier­ten sich dis­kus­si­ons­freu­dig. In Schirm­becks Buch „Gefähr­li­che Tole­ranz“ den ver­harm­lo­sen­den Umgang lin­ker Par­tei­en mit dem Islam kri­ti­sier­te und mehr Mut zu auf­ge­klär­ter Islam­kri­tik for­der­te. Dabei hält er einen auf­ge­klär­ten Islam in Deutsch­land durch­aus für mach­bar. Es sei jedoch von gro­ßer Bedeu­tung, dass ein auf­ge­klär­te­res Spek­trum inner­halb des Islam an Sicht­bar­keit gewin­ne, das bis­lang nur wenig reprä­sen­tiert wur­de.

Die abschlie­ßen­de Dis­kus­si­on wur­de zum Teil sehr emo­tio­nal geführt. Ver­tre­ter und Ver­tre­te­rin­nen ver­schie­dens­ter Posi­tio­nen, Ver­bän­de und Par­tei­en stell­ten ihre häu­fig gegen­sätz­li­chen Ansich­ten zu The­men wie dem Kopf­tuch­ver­bot oder der Rol­le der isla­mi­schen Ver­bän­de dar. „Genau die­se Art von Dis­kus­si­on woll­ten wir ent­fa­chen, kri­ti­sche The­men müs­sen ange­spro­chen wer­den“, erläu­tert Geschäfts­füh­re­rin Kers­tin Haar­mann. „Uns ist jedoch wich­tig zu beto­nen, dass nicht aus­schließ­lich der Islam im Zen­trum unse­rer Kri­tik steht, son­dern sich cum ratio­ne grund­sätz­lich gegen den zu gro­ßen Ein­fluss von Reli­gi­on auf die Gesell­schaft und damit für eine strik­te Tren­nung von Kir­che und Staat ein­setzt.“

Die­se The­se wur­de in der drit­ten Ver­an­stal­tung unter dem Titel „Der Islam und das Grund­ge­setz – Wider­spruch oder doch ver­ein­bar?“ unter­stützt. So beton­te der renom­mier­te Islam­wis­sen­schaft­ler Dr. Abdel-Hakim Ourghi aus Frei­burg, dass wäh­rend bestimm­te Aus­le­gun­gen, ins­be­son­de­re der poli­ti­sche Islam, in star­kem Wider­spruch zu den ele­men­ta­ren Wer­ten unse­rer Gesell­schaft ste­hen wür­den, aus­schließ­lich ein auf­ge­klär­ter Islam mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar sei. Zudem berich­te­ten die Bon­ner Pro­fes­so­rin Chris­ti­ne Schirr­ma­cher sowie Fays­sal Abed vom Extre­mis­mus Prä­ven­ti­ons­pro­gramm „Weg­wei­ser“ aus Bie­le­feld von mög­li­chen Ursa­chen für die Radi­ka­li­sie­rung ins­be­son­de­re jun­ger Mus­li­me in Deutsch­land und beton­ten dabei die Wich­tig­keit von geziel­ter Prä­ven­ti­ons­ar­beit. Bei der anschlie­ßen­den Podi­ums­dis­kus­si­on kam es zu einer sach­li­chen Debat­te, an der sich auch Ver­tre­ter hei­mi­scher Moscheen rege betei­lig­ten.

Online-Veranstaltung zur Sterbehilfe – 2021

Im Febru­ar 2020 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­den, dass das Ver­bot der geschäfts­mä­ßi­gen Ster­be­hil­fe in Deutsch­land gegen das Grund­ge­setz ver­stößt und es ein Grund­recht auf selbst­be­stimm­tes Ster­ben gibt. Seit­dem ist das The­ma im gesell­schaft­li­chen Dis­kurs all­ge­gen­wär­tig und wur­de auch im Bun­des­tag kon­tro­vers dis­ku­tiert. Ver­schie­de­ne Geset­zes­vor­schlä­ge wur­den erar­bei­tet und zur Abstim­mung gestellt, eine Eini­gung konn­te aller­dings bis­lang nicht erzielt wer­den.

In der Online-Ver­an­stal­tung haben wir uns damit beschäf­tigt, wie die Situa­ti­on nach die­sem grund­le­gen­den Urteil ein­zu­ord­nen ist? Um in die­sem Zusam­men­hang ver­schie­de­ne Fra­gen zu klä­ren, haben wir Expert*innen ein­ge­la­den, die sich selbst bereits inten­siv mit dem The­ma aus­ein­an­der­ge­setzt haben. Die­se haben von ihren eige­nen Erfah­run­gen berich­tet und Vor­schlä­ge für eine zukünf­ti­ge Hand­ha­bung gemacht.

Wir als cum ratio­ne unter­stüt­zen die Frei­heit und die Selbst­ver­ant­wor­tung des Indi­vi­du­ums. Dazu gehört auch das Recht auf ein selbst­be­stimm­tes Ster­ben. Wer ver­ant­wort­li­che Ent­schei­dun­gen für sich selbst oder ande­re Per­so­nen tref­fen möch­te, trifft bes­se­re Ent­schei­dun­gen, wenn sie infor­miert erfol­gen. Des­halb soll­ten wir über Ster­be­hil­fe und Wün­sche nach Ster­be­hil­fe und deren mensch­li­che, ethi­sche, medi­zi­ni­sche und juris­ti­sche Aspek­te spre­chen.

Netzwerk Kirche & Staat

Zentralrat der Konfessionsfreien e.V.

Immer mehr Men­schen ent­schei­den sich für ein Leben in Kon­fes­si­ons­frei­heit. Wir sind die NGO für säku­la­re Poli­tik in Deutsch­land.

Humanistischer Pressedienst e.V.

Der Huma­nis­ti­sche Pres­se­dienst (hpd) prä­sen­tiert auf­klä­re­ri­sche, huma­nis­ti­sche und frei­geis­ti­ge Posi­tio­nen zu aktu­el­len Ereig­nis­sen.

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